Nachlese - Thomaskirche Kempen

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Kantorei

Konzertreise nach Ely vom 25.10. – 28.10.12

„Ein großartiges Konzert in einer großartigen Kathedrale bei großartigen Gastgebern“ - das war unsere einhellige Meinung am Ende unseres Besuches in Ely, Cambridgeshire. Am 25.10. fuhr unter Leitung von Frau Hollinger eine Gruppe unserer Kantorei, verstärkt durch Mitglieder des Propstei-Cäcilien-Chors, nach England. Damit folgten wir einer Einladung der Ely Choral Society, mit der seit Jahren regelmäßige musikalische Kontakte bestehen, zuletzt 2010 anlässlich der 100-Jahr-Feier unserer Kirche.

Jetzt sollten wir also bei deren Jubiläumskonzert mitsingen; denn es galt die Uraufführung einer Kantate für Orgel, Sopransolo und großen Chor nach Texten von Thomas von Kempen: Von Andrew Parnell „Der Tau des Himmels“. - Darum herum reihten sich Stücke von Haydn, Mendelssohn, Rutter Bach und Fauré.

Für das Konzert hatte die Choral Society die Kathedrale gemietet, eine der ältesten in England, nicht ganz so hoch wie der Kölner Dom, aber deutlich länger, mit dem markanten Oktogon über der Vierung und dem sogenannten „Laternenturm“ obendrauf, den man weithin über das sehr flache Land sehen kann.

Schon bei der Generalprobe am Nachmittag war die Atmosphäre sehr eindrucksvoll, als noch die Sonne durch die bunten Glasfenster schien und Oktogon und Kirchenschiff farbig leuchten ließ. Nahezu mystisch dann die Atmosphäre beim abendlichen Konzert im hellen Lampenlicht auf dem Podium einerseits und dem ansonsten weitgehend dunklen Riesenraum, dessen Konturen nach oben und nach allen Seiten nur noch undeutlich auszumachen waren.
Kathedrale
Chor
Foto Chor
Etwa 300 Besucher waren gekommen zu Konzert und Uraufführung und spendeten begeistert Beifall. Der Komponist Andrew Parnell, der die Choral Society seit 10 Jahren leitet, war am Ende sehr zufrieden und sagte, dass alle seine Erwartungen erfüllt worden seien. – Ein sehr schönes Lob für alle und heitere, gelöste Stimmung daher beim anschließenden Umtrunk in der angrenzenden Marienkapelle, deren grandiose Akustik wir für ein Dankesständchen für unsere Gastgeber nutzten. Überhaupt: Unsere Gastgeber: Wir wurden so ausgesprochen freundlich, ja herzlich aufgenommen, großzügig untergebracht und verpflegt, dass man sich auch dort willkommen fühlte, wo nicht schon von früher Freundschaften bestanden.

Das galt auch während der Proben. Frau Hollinger hatte uns 30 in intensiven Sonderproben so gut vorbereitet, dass wir uns problemlos einfügen konnten in den englischen Chor von ca. 90 Mitgliedern und ihn damit sehr gut verstärkten.

Ein kleines, feines Besichtigungsprogramm war, in Abstimmung mit unseren beiden Organisatoren, für die Zeit zwischen den Proben für uns vorbereitet worden: Eine kurze Führung durch die Kathedrale mit einem Überblick über deren lange Baugeschichte (von 1083 bis 1189) und den damit einhergehenden Wandel der Baustile. Dann nebenan das Geburtshaus von Oliver Cromwell, der seinen König wegen dessen absolutistischer Tendenzen köpfen ließ. Schließlich eine Halbtagestour in die nahegelegene Universitätsstadt Cambridge. Der Rundgang dort entlang der alten Colleges führt an den Wirkungsstätten berühmter Wissenschaftler vorbei (Erasmus z.B. und Newton) und wird gewürzt durch Anekdoten von übermütigen und/oder waghalsigen Studentenstreichen. Ebenso steht neben dem Stolz auf die wissenschaftlichen Höchstleistungen der jüngeren Vergangenheit, die Entzifferung der DNA 1953, das Schmunzeln über die Marotte der beiden Wissenschaftler, ihre Entdeckung mittags im Pub beim Lunch zu verkünden, weil sie, wie sie sagten, dort mehr Zeit verbracht hätten als im Labor!

„We’ve enjoyed ourselves“ sagten unsere Gastgeber beim Abschied. „Es hat uns Spaß gemacht“. Das können wir bestätigen. Es war beglückend, hier wie dort, gemeinsam intensiv zu proben, Werk um Werk zu erarbeiten und schließlich zum Klingen zu bringen. Wir sind froh über alles Schöne, was wir erfahren und erleben durften und danken allen, die dazu beigetragen haben.

Kempen, 2.11.12 Ingrid Timpe
Posaunenchor
Posaunenchor 

Vom 6. bis 8. Juli 2012 folgte der Ev. Posaunenchor Kempen einer Einladung des Posaunenchores der Partnerstadt Werdau, zusammen mit den Werdauer Bläsern den 55. sächsischen Posaunenchortag in Zwickau zu besuchen.

In Werdau war der Empfang seitens der Kirchengemeinde und der Stadt Werdau sehr herzlich. Die Kempener und Werdauer Bläser nahmen die Gelegenheit wahr, dem scheidenden Werdauer Bürgermeister Ralf Tittmann zu seinem 68. Geburtstag ein Ständchen im Werdauer Rathaus zu bringen.
Nach einer leider verregneten Auftaktveranstaltung zum sächsischen Posaunenchortag war es für Gastgeber und Gäste ein beeindruckendes Erlebnis, zusammen mit über 1000 Blechbläsern bei strahlendem Sonnenschein auf dem Zwickauer Markt zur Serenade und zum Abschlussgottesdienst am Sonntag in der Zwickauer Stadthalle zu musizieren. Daneben war am Samstag Gelegenheit, verschiedene Workshops und Konzerte zu besuchen.

Am Sonntagmorgen gestalteten die Werdauer und Kempener Bläser den Gottesdienst in der Werdauer Marienkirche unter der Leitung des dortigen Kantors KMD Diethard Bernstein mit. Höhepunkt des Wochenendes war sicherlich der Abschlussgottesdienst am Sonntag in der Zwickauer Stadthalle, wo ca. 2000 Blechbläser zusammen musizierten und auch die Kempener Bläser an einer Welturaufführung eines Stückes für Posaunenchor und Magnete von Friedemann Wutzler mitwirkten.

Stefanie Hollinger
Posaunenchor 

„GOTT SEI DANK IST GOTT NAH“ - LANDESPOSAUNENTAG IN ULM

Am ersten Wochenende der Sommerferien machten sich einige Bläser unseres Posaunenchores mit Martin Bökelheide und Stefanie Hollinger auf den weiten Weg, um am Landesposaunentag in Ulm teilzunehmen, der dieses Jahr in Anlehnung an die Jahreslosung unter dem Motto „Gott sei Dank ist Gott nah“ stand.

Bei herrlichem Wetter trafen sie am Samstagnachmittag auf jede Menge gleichgesinnter Bläser vor allem aus Württemberg, die verschiedene Plätze der Innenstadt Ulms nutzten, um sich zum „BrassMob“ zu treffen.

Nach einem im Vorhinein festgelegten Programm wurde mit 40-50 anderen Bläsern – ohne Probe – öffentlich musiziert, was dank des umsichtigen Dirigats des Posaunenchorwartes der Nordkirche auf erstaunlich hohem Niveau gelang.

Den Kempener Bläsern wurde am Sonntagvormittag die besondere Ehre zuteil, im Gottesdienst im Ulmer Münster mitzublasen. Zeitgleich fanden noch 12 weitere musikalisch identische Gottesdienste in Ulmer Kirchen, Gemeinde- zentren und in der Donauhalle statt.
Spiegel in Posaune
Posaunentag Foto
Stellen Sie sich eine riesige gotische Hallenkirche vor, die mit hunderten Blechbläsern gefüllt ist, die nach einer eineinhalbstündiger Probe einen festlichen musikalischen Gottesdienst feiern und blasen. Besonders die Posaunisten hatten dabei mit dem Problem zu kämpfen, dass die engen Kirchenbänke nicht für nach vorn ausschlagende Musikinstrumente gedacht sind. Aber irgendwie fanden alle Platz zum „Ziehen“ und auch einen Blick auf einen der fünf Dirigenten, die an erhöhten Plätzen überall im Münster verteilt, für rhythmische Ordnung sorgten. Die Predigt zum Bläsertagsmotto hielt Landesbischof Frank Otfried July. Ein beeindruckendes Erlebnis!

Überhöht wurde dieses Gottesdiensterlebnis allerdings noch beim Abschlussblasen aller 6.500 Bläser auf dem gefüllten Ulmer Münsterplatz am Nachmittag, zu dem auch der Ministerpräsident Baden-Württembergs Winfried Kretschmann angereist war. Für ihn sei der Sound der Posaunenchöre ein Alleinstellungsmerkmal der Evangelischen Kirche, sagte er in seiner Ansprache. Darüber hinaus würdigte er besonders das soziale Engagement der Bläserinnen und Bläser.

Kinder, Jugendliche, junge und alte Bläser, Männer und Frauen bliesen unter der Leitung des württembergischen Landesposaunenwartes KMD Hans-Ulrich Nonnenmann - auch hier wieder mit einigen Unterdirigenten und Unterdirigentinnen - ein abwechslungsreiches Programm.

Wenn tausende Blechbläser zusammen musizieren, entsteht ein ganz unglaublicher Klang, der niemanden unberührt lässt. Und wenn dann in das geblasene „Nun danket alle Gott“ noch die Glocken des Ulmer Münsters mit einstimmen – dann bleibt kein Auge mehr trocken. Auch wenn der Weg weit war - für die Kempener Posaunenchormitglieder und die mitgereisten Angehörigen war der Landesposaunentag ein lohnendes und unvergessliches Erlebnis.
Ausflug
Kantorei

Jugendchor 

WIE IM HIMMEL...... 

fühlten sich 30 Mitglieder der Kantorei und des Jugendchores, als sie am 20. September zum rheinischen Chortag nach Bonn reisten.
Zusammen mit ca. 1000 anderen Sängerinnen und Sängern aus der rheinischen Landeskirche besuchten sie Chorworkshops und das Abschlusskonzert mit skandinavischer Chormusik und Chorimprovisation.Ein herrliches Erlebnis, dass alle nicht so schnell vergessen werden. Einen interessanten und informativen Film, Bilder und Eindrücke von diesem Event findet man auch unter www.chorfest-bonn.de . Klicken Sie mal rein…
Geburstagsfestkonzert Verschueren-Orgel
Pfingstsonntag, 15. Mai 2016, 20.00 Uhr - in der Thomaskirche wird der Geburtstag der vor 25 Jahren angeschafften Verschueren-Orgel gefeiert.

Trotz des langen Pfingstwochenendes, das gerne zum Verreisen einlädt und vielen Veranstaltungen in und um Kempen waren einige Zuhörer erschienen, um das Geburtstagskonzert zu erleben. Und sie wurden nicht enttäuscht. Ob beim Solo, dem Cocerto d-Moll, BWV 596 oder im Ensemble zusammen mit Violine, Viola und Violoncello zog Orgainstin Stefanie Hollinger die unterschiedlichsten Register der Verschueren-Orgel und verwöhnte so die Ohren der Gäste.

Teil 1 des Programms setzten sich zusammen aus:
  • Orgelkonzert B-Dur, op. 4 Nr. 6 (Andante allegro, Larghetto, Allegro moderato) von Georg Friedrich Händel
  • Concerto d'organo in B per due Violini, Basso ed Organo (Allegro) von Johann Christoph Bach und dem bereits erwähnten
  • Concerto d-Moll, BWV 596

In der Pause beim Sektempfang gab Pfarrer Wehner den Blick frei auf die Vergangenheit und berichtete über die Planung, Anschaffung, Errichtung und Finanzierung der Verschueren-Orgel. Dabei versäumte er nicht, für die Mitgliedschaft im Förderverein Kirchenmusik zu werben. Die Rede von Pfarrer Wehner finden Sie unter dem Foto ders Ensembles.

Teil 2 des Programms bestand aus:
  • Concerto F-Dur (Allegro moderato, Largo, Allegro) und
  • Konzert G-Dur für Orgel, Streicher und B.c. Wq 34 (Allegro di molto, Largo, Presto)

Für den musikalischen Genuss einen herzlichen Dank an
  • Claudia Heesen-Wieth, Violine
  • Susanne Gehnen, Violine
  • Ulrike Drees, Viola
  • Thomas Weihrauch, Violoncello und
  • Stefanie Hollinger, Orgel
siehe Foto unten

25 Jahre Verschueren-Orgel
Foto: Roland Kühne
Anmerkungen zum Orgeljubiläum von Pfarrer B. Wehner
1987 wurde erstmalig eine hauptamtliche Kirchenmusikerstelle in unserer Gemeinde eingerichtet. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, in der Thomaskirche eine neue Orgel zu errichten. Bei einer Stellenbesetzung ist ein Probespiel vorgesehen. Wir mussten die Kandidaten damals nach Süchteln bitten, weil es bei uns keine Orgel gab, auf der man die klassische Orgelliteratur angemessen darstellen konnte. Eine Zeitlang hing die Meinung in der Luft, man könne eine Orgel „von der Stange“ erwerben und sie mit dem Verkauf des alten Instruments mit finanzieren. Im Verlauf einer weiteren realistischen Planung wurde dann aber bald deutlich, dass dies eine Illusion war. Die bisherige Orgel war noch gar nicht so alt (von 1973) und auch in gutem Zustand, sie besaß aber nur ein Manual und ein „angehängtes“ Pedal.

Am 1. März 1987 trat dann Brigitte Kröger hier ihren Dienst an. Sie hat die weiteren Orgelplanungen dann forciert. Im Rückblick muss ich sagen, dass sie wichtige Vorentscheidungen allein getroffen hat. Dass es z.B. ein Instrument in historischer Bauart sein sollte ‑ niemals hat sie jemanden deswegen gefragt. Dass dieses Instrument der sog. "südlichen", französisch beeinflussten Bauart folgen sollte - es gab hier ja keinen, mit dem sie sich darüber austauschen konnte. Bei ihr selbst mögen die Unterrichtsstunden bei André Isoir in Paris da eine Rolle gespielt haben, zu denen sie am Anfang ihrer Zeit immer noch hinfuhr. Schließlich wandte sie sich an drei Firmen, mit der Bitte, ein Angebot abzugeben. Es trafen dann die Kostenvoranschläge sowie zwei detaillierte und eine weniger genaue Zeichnung ein. Am Ende musste die Entscheidung zwischen den unterschiedlichen Entwürfen fallen.

Ich erinnere mich an eine Fahrt mit Mitgliedern des Presbyteriums, die den Zweck hatte, uns einige Orgeln anzusehen und anzuhören. In der Alten Kirche in Essen Kray lernten wir den besonderen Klang einer Orgel in historischer Bauart kennen. Sehr spezielle Einzelregister wurden vorgeführt. Die Orgel konnte aber als Ganze nicht gespielt werden, weil es Winter war und bei niedrigen Temperaturen das Rückpositiv eine andere Stimmung hatte als das Hauptwerk. Die Entscheidung für die Firma Verschueren fiel dann mit der Erwartung, dass wir hier ein solide gebautes und wenig störanfälliges Instrument bekommen würden und auch unter der pragmatischen Überlegung, dass der Betrieb Kempen am nächsten gelegen ist.

Danach begann die Phase der Verhandlungen. Kaum jemand hatte damit gerechnet, welch ein intensiver Mensch der Orgelbauer Leon Verschueren ist. Nicht nur in handwerklich-künsterlischen Hinsicht, sondern auch in der geschäftlichen. Zum Glück hatte er aber in geschäftlicher Hinsicht auf unserer Seite einen ebenbürtigen Widerpart: den inzwischen verstorbenen Presbyter Julius von Heimendahl. Niemals vorher oder später habe ich so heftige Kaufverhandlungen miterlebt: in höflichster Tonart, aber hart. Auf beiden Seiten bestand ein intensives Interesse, dass der Vertrag zustande am, auf beiden Seiten bestand aber auch ein intensives Interesse, möglichst gut dabei wegzukommen. Für unsere Seite kann ich sagen, dass wir aus diesen Verhandlungen gut herausgegangen sind, was auch damit zusammenhing, dass die Firma Verschueren ein Vorführinstrument in historischer Bauart in der Nähe ihres Firmensitzes bauen wollte.

Danach passierte dann lange Zeit gar nichts. Die Orgel hatte eine Lieferzeit von über zwei Jahren, erst nach Ablauf der Zeit wurde mit dem Bau begonnen. Besonders für Brigitte Kröger ein langes Warten. Mir hat sie mehrfach gesagt, dass für sie das Spiel auf der alten Orgel besonders wegen des fehlenden Pedalwerks sehr unbefriedigend war. Als dann mit dem Bau begonnen wurde, lernten wir die Intensität von Leon Verschueren noch von einer anderen Seite kennen: Er war geradezu besessen von dem Gedanken, ein handwerklich und historisch perfektes Instrument herzustellen. Er hatte aber auch sehr genaue Vorstellungen, wie dies auszusehen habe. Es kostete Brigitte Kröger große Mühe, ihm ein deutlich hörbares 8-Fuß-Register im Pedal abzuringen, damit sich nicht nur die französische barocke Literatur, sondern auch Bachs Musik überzeugend darstellen lässt. In allen anderen Fragen hat er sich durchgesetzt.

Der Bau ging dann so vonstatten, dass das Instrument zunächst ganz in der Werkstatt aufgebaut wurde. In der Zwischenzeit musste noch die Empore verstärkt werden, was dazu führte, dass wir noch einmal Kontakt mit der Denkmalbehörde aufnehmen mussten. In diesem Gespräch wurde dann auch die Frage berührt, ob man nicht die Betonwand im Altarraum wieder abreißen könne und wie die Kirche zu grundsätzlich zu gestalten sei. Dabei sprach ich das Orgelprojekt an und dass wir uns für ein Instrument in historischer Bauart entschieden hätten. Das rief bei den Damen und Herren Entsetzen hervor. Ein barockes Instrument in einer Kirche aus dem frühen 20. Jahrhundert! Ein Stilbruch, unmöglich! Ich zeigte dann die Bilder von der inzwischen in der Werkstatt aufgebauten Orgel und daraufhin wurden diese Bedenken stillschweigend begraben. Hätten wir vorher gefragt, wäre diese Orgel wahrscheinlich nicht genehmigt worden. (Eher ein Gebilde, das mit den Zacken der Altarwand korrespondiert).

Ein Werkstattbesuch ist mir noch deutlich in Erinnerung. Es war im Frühjahr 1991, als der Golfkrieg auf seinem Höhepunkt war. Große Angst herrschte, dass Umweltkatastrophen und Verderben über die ganze Welt ausgebreitet wurde. Mit einem Mal erschien mir das ganze Unternehmen Orgelbau vollkommen sinnlos. Was nützt alle Vorfreude, alles Warten und Aufbauen, wenn so viel Vernichtung möglich ist! Ich blickte aus dem Werkstattfenster auf das aufgeräumte holländische Dorf und fragte mich: Was soll das alles?

Diese Stimmung war dann im Herbst, als die Orgel fertig war, wieder verflogen. Die Schlussphase war noch einmal sehr interessant: Jede Woche kamen zwei Register hinzu, am Freitagabend wurden sie ausprobiert und vorgestellt. Bis zum Schluss war unklar, ob die Festschrift rechtzeitig erscheinen würde, alles überschlug sich. Das Ergebnis hat dann aber doch die Mühe gelohnt.

Was ist das Besondere an unserer Orgel? Abgesehen von ihrem Aufbau und den charakteristischen Registern ist es die Leichtigkeit der Traktur (also der Verbindung zwischen Taste und Pfeife). Manchmal hört man ein Klappern, weil nichts durch Filz oder Watte oder Leder abgefedert wird, sondern bei der kleinsten Berührung der Ton schon da ist. Das hat den großen Vorteil, dass die Artikulation sehr deutlich herausgearbeitet werden kann: die eine Stimme ist gebunden, die andere läuft im Staccato, was dann zu verfolgen auch für die Zuhörer sehr unterhaltsam sein kann. Es kann natürlich aber auch gefährlich werden, wenn bei der kleinsten Berührung ist der Ton schon da ist. Jede Unsicherheit oder Nervosität des Organisten ist damit genauso unmittelbar offenbar. Verstärkt wird diese Eigenschaft durch die relativ „trockene“ Akustik des Kirchenraumes, die auf das gesprochene Wort der Predigt ausgerichtet ist und die ebenfalls nichts im gnädigen Nebel eines langen Nachhalls verhüllt.

Jetzt ist wichtig, dass die Gemeinde auf Dauer einen Organisten hat, der auf diesem wertvollen Instrument angemessen spielen können. Mit unserer langjährigen Kantorin Stefanie Hollinger ist das gegeben.

 Bernd Wehner

Impressionen Weihnachtsoratorium 2016
zuletzt aktualisiert: 24.06.2017
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