Haiti - Thomaskirche Kempen

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Beitrag der Lokalzeit - WDR Fernsehn - auf YouTube
Interview mit Pfarrer Roland Kühne im Mittagsmagazin des WDR 2
Gedanken zum 4. Jahrestag des Erdbebens in Haiti
in der Morgenandacht am 12. 01. 2014 auf WDR 2


“Schüler bauen für Lehrer”
 

Zweiter Bauabschnitt 
12. Oktober - 01. November 2011 
Liancourt Haiti - Kempen 

Als uns die Menschen in Liancourt am letzten Tag unseres Aufenthalts fragten, ob wir denn auch wiederkämen, um beim Bau des Lehrerseminars mitzuhelfen, sagten wir, dass wir auf jeden Fall weiterhelfen würden! Und kaum waren wir wieder in unserem schönen Kempen angekommen, fingen die Überlegungen und Planungen zu einem erneuten Einsatz in Haiti an. So steht es nun fest: vom 12. Oktober bis 01. November 2011 fliegt wieder eine Gruppe aus Kempen nach Liancourt, um die Menschen vor Ort tatkräftig zu unterstützen. 

Neben Maurern werden diesmal besonders Installateure benötigt, um die Toiletten- und Duschanlagen zu errichten. Wegen der enormen Kosten, die für den Transport und die Zollgebühren verlangt werden, haben wir uns mit der Peter- Hesse-Stiftung dazu entschlossen, die benötigten Gebäude (zwei Klassenzimmer, vier Schlafräume, zwei Toiletten- und Duschhäuser, zwei Lehrerhäuser) nicht mit Containern zu bauen, sondern in landesüblicher Weise zu mauern. 

Peter Hesse berichtet auf der Homepage der Stiftung: “In diesem Juli 2011 begann erneut die Ausbildung von 22 neuen Montessori-Vorschul-Lehrerinnen in der uns sehr eng verbundenen großen Montessori Vorschule von Naomi Joseph in Liancourt, Haiti. Dort nutzen wir die Zeit der Sommerferien der Vorschulkinder. Wenn die Vorschule im September wieder beginnt, wird die Lehrerinnen-Ausbildung nachmittags fortgesetzt, wenn die Kinder die Schule verlassen haben.” 

Wir hoffen, dass die Bauarbeiten soweit fortgeführt werden können, dass zumindest der Unterricht auf dem Gelände des Lehrerseminars beginnen kann. Es ist ein schönes Gefühl zu erfahren, wie viele Menschen in Kempen und Umgebung sich für das Fortschreiten des Projekts “Schüler bauen für Lehrer”, interessieren und daran Anteil nehmen. Dies lässt uns auch - trotz diverser Schwierigkeiten - die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir unsere Kraft für eine gute und richtige Sache einsetzen! 

Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre vielseitige Unterstützung, 
Ihr 
Roland Kühne 


Fortsetzung: 

Ich konnte es kaum abwarten, nachdem wir gut eineinhalb Tage unterwegs waren, um nach Liancourt zu kommen, endlich die Baustelle wieder in Augenschein nehmen zu können. Umso überraschter war ich, als wir zum Gelände des zukünftigen Lehrerseminars der Peter-Hesse-Stiftung kamen, dass die Umfriedungsmauer bis auf zwei Toreinfahrten das Grundstück komplett umgibt. 

Nach der freudigen Begrüßung unserer Gastgeberin Naomi Joseph und Carol Guy-James, der rechten Hand von Peter Hesse vor Ort, waren wir sehr gespannt, wie die ersten Begegnungen mit den einheimischen Arbeitskräften würden. Es war einfach herzergreifend, wir wurden umarmt, mit Namen begrüßt, und es wurde gleich gefragt, wo all diejenigen wären, die diesmal nicht wieder mitgekommen waren. 

Neben der Mauer war auch bereits eine sogenannte Septic Dreikammer Wasseranlage gebaut. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Behälter nicht in entsprechender Tiefe in der Erde versenkt waren. So konnten wir die Abwasserleitungen nicht tief genug in die Erde verlegen und mussten sie deshalb zum Schutz mit einem Betonmantel umgeben. Hier zahlte sich gleich zu Anfang die jahrzehntelange Erfahrung der Lehrer Bernhard Schink und Günter Nelißen im Bereich Installation aus, die von den beiden Auszubildenden Anatoli Gall und Tim Voss bei ihren Arbeiten bestens unterstützt wurden. 

Weiter gehörten zu unserem diesmaligen Team der Kempener Künstler Thomas Niermann, die Maurerauszubildenden Moritz Klefges, Dominik Krafczyk, Jan Seelen, der Bauingenieur Thomas Brux und als unverzichtbare Sprachvermittlerin Bärbel Trappmann. 

Außer den Installationsarbeiten wurden zwei Toiletten- und Duschgebäude, vier Häuser, die als Schlafstätten dienen und zwei Lehrerhäuser fertig gemauert. An einigen Häusern wurden Betonstützen, ein Betonanker und Träger für die Dachkonstruktion betoniert. 

Dieses große Pensum in dieser geringen Zeit hätten wir nie ohne die Unterstützung der haitianischen Arbeitskräfte geschafft, wir waren wieder sehr beeindruckt über die Energie und Kraft, die die Arbeiter an den Tag legten. 

Das gemeinsame Gebet auf der Baustelle vor dem Arbeitsbeginn und das Treffen im sonntäglichen Gottesdienst ließen uns die weltweite Gemeinschaft aller Christen ganz konkret spüren. 

Wir danken auch von dieser Stelle aus wieder den vielen Unterstützern des Projekts 
Ihr 
Roland Kühne


Fortsetzung: 

Dritter Bauabschnitt
15. März - 06. April 2012 

Mitte März 2012 machte sich wieder eine Gruppe von Schülern und Lehrern des Rhein-Maas-Berufskollegs Kempen auf den weiten Weg nach Liancourt auf Haiti. Dies sollte der dritte Arbeitseinsatz nach dem schweren 
Erdbeben vom 12. Januar 2012 werden. Als wir in Liancourt ankamen, nach 34-stündiger Flugzeit plus fünf Stunden Fahrtzeit einschließlich der Zollabfertigung, wunderten wir uns, dass wir gleich zum Baugrundstück gefahren wurden. Ein Haus, das bisher als Materiallager diente, war für uns als Unterkunft hergerichtet worden. Dies hatte u. a. den Vorteil, dass wir die Strecke von Naomis Haus bis zur Baustelle nicht zweimal am Tag zurücklegen mussten und wir dadurch wirklich bis zum Anbruch der Dunkelheit arbeiten konnten. Auch der dringend benötigte 30 Meter tiefe Brunnen war gebohrt und mit einer Unterwasserpumpe ausgerüstet worden, die allerdings ihre benötigte elektrische Energie bis zur Fertigstellung der geplanten Photovoltaikanlage aus einem Generator beziehen musste. Während des Aufenthalts wurde auch ein Wasserhochbehälter errichtet, in den das Wasser gepumpt werden kann, um dann auf die einzelnen Häuser verteilt zu werden. Durch die enorme Kraftanstrengung der Schüler, Lehrer und der haitianischen Arbeitskräfte war es uns möglich, auf sechs der neun Häuser bereits Dächer zu errichten. Die Installationsarbeiten wurden bis auf die Fertiginstallation, die erst nach Beendigung der Fliesenarbeiten erfolgen kann, erstellt. In den beiden Toiletten- und Duschhäusern sowie den beiden Lehrerhäusern wurden die Wasserrohre verlegt und an die zentrale Wasserversorgung durch die Hochbehälter angeschlossen. Dazu wurden die Abwasserrohre der Häuser mit den Abwassergruben verbunden. Von den Spendengeldern, die in Kempen und über die Stadtgrenze hinaus gesammelt wurden, konnten wir die Löhne für 27 haitianische Arbeiter für eine Arbeitswoche in Höhe von 2500 Euro bezahlen sowie die Materialkosten für Sand, Zement, Holz und Stahl in Höhe von 2465 Euro. Ein großer Dank an alle Spender!
Sehr interessant war auch der Besuch einer Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft in Haiti, Frau Stefanie Kestler, die uns über die politische Situation Haitis informierte und Fragen der Schüler und Lehrer beantwortete. Für die Schüler ist der Arbeitseinsatz immer wieder mit bleibenden Erfahrungen verbunden, so zum Beispiel für Tim Voss, der sagte: “Das war eine Erfahrung, die ich nie im Leben vergessen werde! Das Sehen und Erleben einer
so großen Armut hat mich geprägt und lässt meine eigene Lebenssituation in Deutschland jetzt in einem anderen Licht erscheinen!”
Ihr
Roland Kühne


Fortsetzung:

Dank an alle Helfer beim Abschlussfest im Gemeindezentrum am 20. Januar 
Liancourt Haiti - Kempen

Am 12. Januar 2010, um 16.53 Uhr Ortszeit, bebte die Erde in Haiti. Über 230.000 Menschen starben unter den Trümmern ihrer Häuser. Der nächste Tag war ein Mittwoch, dritte und vierte Stunde Religionsunterricht im Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen bei den Maurerauszubildenden im dritten Ausbildungsjahr, aktuelles Thema: die Katastrophe in Haiti. Ein Schüler sagte: "Wir sind doch Maurer und können Häuser bauen, Herr Kühne, sollen wir dort nicht helfen!?" Mit diesem Satz fing alles an: es kam zu einem Hilfsprojekt, das alle Erwartungen und Vorstellungen übertraf. Nachdem wir die Peter-Hesse-Stiftung kennenlernten, ging alles ziemlich schnell. Durch das Erdbeben war das Ausbildungszentrum für Lehrer zerstört worden. Die Stiftung erwarb ein Grundstück in Liancourt, ca. 100 km von der Hauptstadt Port au Prince entfernt. Ein Vortrupp besichtigte vor Ort in Liancourt die Situation: Architekt Benno Friebe, Bau- Ing. Thomas Brux und Pfarrer Roland Kühne.
Anfänglich waren zwei Arbeitseinsätze geplant: das Betonieren von Fundamentplatten für die Aufstellung von Wohncontainern und in einem weiteren Einsatz der Aufbau der Container. Aber der Erwerb der Container erwies sich für die Stiftung als unfinanzierbar. So wurde entschieden, dass die Gebäude für das neue Ausbildungszentrum in haitianischer Bauweise und erdbebensicher erbaut werden sollten. 

Es kam nun zu insgesamt fünf Arbeitseinsätzen, zwei im Jahr 2011 und drei 2012. Bei allen Hilfseinsätzen waren insgesamt 22 Schüler, 11 Lehrerinnen und Lehrer, ein Architekt, ein Bauingenieur und ein handwerklich begabter Künstler vor Ort. 

Unterstützt wurden wir durch die Projektpartnerin der Peter-Hesse-Stiftung, Carol Guy-James Barratt, bis zu 30 haitianischen Arbeitskräften und hervorragend bekocht von haitianischen Frauen. Unsere wechselnden Unterkünfte waren stets nach den besten Möglichkeiten hergerichtet. 
Der vorerst letzte Arbeitseinsatz fand vom 22. September bis zum 14. Oktober 2012 statt. In dieser Zeit wurden Waschbecken, Duschen und Toiletten installiert und an die Wasserversorgung angeschlossen, die Dächer der Unterrichtsräume und eines neu gebauten Elektrohauses erstellt, die komplette Elektroinstallation für alle Häuser verlegt und die Lehrerhäuser, sowie ein Dusch- und Toilettengebäude, gefliest.

Die Putz- und Malerarbeiten bei allen Häusern werden von den einheimischen Arbeitskräften vorgenommen. Sie werden auch die Dächer auf dem Verwaltungsgebäude und auf der noch zu erstellenden Cafeteria errichten.

Wir hätten gerne das komplette Lehrerausbildungszentrum "schlüsselfertig" übergeben, aber der zeitliche Aufwand in den letzten beiden Jahren war schon so hoch und doch begrenzt, dass wir leider nicht bis ins letzte Detail alle Arbeiten fertigstellen konnten. Dennoch ist es eine bemerkenswerte Arbeitsleistung aller Beteiligten, die ihre Arbeitskraft und ihr Wissen für dieses wichtige und zukunftsweisende Projekt für die Bildungschancen der Menschen in Haiti eingesetzt haben. Ein weiterer Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, ohne deren finanzielle Hilfe das Projekt "Schüler bauen für Lehrer" nicht durchführbar gewesen wäre.

Wir werden die Menschen in Haiti nicht vergessen und sind sicher, dass wir weiter helfen werden!
Ihr
Roland Kühne


zuletzt aktualisiert: 16.08.2017
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