Geistliches Wort - Thomaskirche Kempen

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Geistliches Wort
Die Wochen von Aschermittwoch bis Ostern sind im Jahres-kreis der Kirche traditionell der Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu gewidmet und sollen auf Ostern vorbereiten. Fastenzeit.

 
In der evangelischen Kirche gibt es keine festen Fastengebote. Verzicht soll etwas Freiwilliges sein und lässt einen vor Gott nicht besser dastehen. Es ist keine religiöse Pflicht. Jeder Mensch soll selbst für sich entscheiden, was er tun und besonders, was er unterlassen möchte. Trotzdem haben in den vergangenen 30 Jahren Aktionen wie „7 Wochen ohne“ oder „Klimafasten“ auch unter evangelischen Christen viele Anhänger gefunden. Manche verzichten dabei auf ein Zuviel beim Essen und Trinken. Schokolade und Alkohol sind dann zum Beispiel tabu. Manche fahren mehr Rad oder gehen zu Fuß, benutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, vermeiden unnötigen Müll. Andere nutzen diese Zeit zur inneren Einkehr, mit mehr Meditation, Stille und Bibellesen.

 
Es geht darum, sieben Wochen probehalber etwas anders zu machen und damit Erfahrungen zu sammeln, zu sehen, welche Folgen das haben kann.

 
Fasten ist so ein jährlicher kleiner Gegenentwurf zum „normalen“ Alltag: Was wäre wenn? Was wäre, wenn ich nicht so viel Auto fahren würde und stattdessen mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs wäre… Wenn ich Serienmarathons oder das Smartphone links liegen ließe und auf einmal Zeit für ein Buch oder eine Einladung hätte? Wenn ich die Dauerbeschallung des Radios ausstellen würde und ganz bewusst Stille erleben würde?

 
Wer eine Zeit lang so lebt, wird möglicherweise spüren, wie der Tagesablauf sich verschiebt. Zeit ist da, wo Hetze war, Ruhe statt Lärm. So können die sieben Wochen der Passionszeit zu neuer Konzentration führen, zu mehr Zeit für sich selbst und auch für Gott. Zeit für Fragen des Lebens. Auch Zeit für das Traurige und Dunkle, das wir aushalten und tragen müssen und oft verdrängen.

 
Die Passionszeit ist eine Chance, sich dem zu stellen mit der Zuversicht, dass Gott all die Wege, die wir gehen, auch gegangen ist und geht.
 

Bernd Wehner
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