Geistliches Wort - Thomaskirche Kempen

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Geistliches Wort
Ferien vorbei – die Schule hat wieder begonnen.

Was wählen Schülerinnen und Schüler ab, wenn sie den Religionsunterricht abwählen? Wofür setzen sich Ausbildungsbetriebe ein, wenn sie behaupten, dass Religionsunterricht überflüssig sei? Was geschieht, wenn Schulleitungen wegen Lehrermangels auf die Besetzung von Religionsstunden verzichten?

Unsere Schulen werden kälter. Die frischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – bestens qualifiziert durch ihre Schlüsselqualifikationen – bereit ihre Zeit für die zukünftige Firma zu opfern, aber die Kolleginnen und Kollegen sind nicht wichtig. Unsere Arbeitsatmosphäre wird kälter, zum Schluss zählt nur: zum Schluss zähl' ich!

Dagegen lesen wir in der Bibel: “Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!” Dies sagt uns der, der uns wie kein anderer kennt und schätzt. Du bist und bleibst mein. Das heißt: du gehörst nicht deinem Chef, du gehörst nicht deiner Firma, du gehörst nicht deinem Lehrer, du gehörst nicht deinen Eltern – ja, du gehörst nicht einmal dir selbst. Du gehörst zu einem, der dich besser kennt als du dich selbst. Der dich liebt, mit all deinen Unzulänglichkeiten. Da, wo du dich selbst nicht ausstehen kannst, mit deinen Süchten, mit deinen Ängsten, mit deinen Geheimnissen, da ist er an deiner Seite. Er zeigt dir, wozu du fähig bist, wie du dich für das Wohl deiner Mitmenschen einsetzen kannst, wie du dich aus deiner Glaubensgemeinschaft heraus, für die Not und gegen das Elend von Menschen einsetzen kannst.

Religionsunterricht also heißt: es geht in diesem Fach um die Menschen, um die Ehrfurcht vor allem Leben. Es geht zuallererst um dich, dann um die Menschen in deiner nächsten Umgebung, um die Menschen in deinem Land. Dann geht es weit hinaus, hinaus aus dem Religionsunterricht für die Menschen der Demokratie in China, für die Menschen in Armut in Haiti, hinaus für die Menschen auf der Flucht aus Syrien. Da kannst du auch zu einem Mahner werden, zu einem Mahner an die Politik um mehr Aufnahmeplätze von Flüchtlingen aus Syrien. Hinaus für eine bessere Welt auf unserer gemeinsamen Welt!

So ein Religionsunterricht bewegt: Bewegt die Schülerinnen und Schüler aus sich heraus, aus der Falle der Ichbezogenheit, hin zum anderen Menschen.
Bewegt die Schülerinnen und Schüler aus der Einsamkeit der Netzwerke an die Seite der Menschen auf der Straße, die menschliche Wärme so dringend nötig haben. Bewegt die Schülerinnen und Schüler vor die Rathäuser und Regierungsgebäude für eine saubere Zukunft.

Ihr Roland Kühne
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