Geistliches Wort - Thomaskirche Kempen

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Geistliches Wort
Dieser Satz findet sich in einem langen Gebet, das König Salomo gesprochen haben soll, als der Jerusalemer Tempel eingeweiht wurde. Salomo beschreibt Gott am neuen Ort seiner Gegenwart so, wie Israel ihn bisher erlebt hat: Er ist ein Gott, der bis ins Herz sieht. Es gibt eine ähnliche Aussage im 1. Samuelbuch. Sie wird von Jugendlichen gern als Konfirmationsspruch gewählt: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an“ (1. Sam. 16,7). In einer Lebensphase der Verunsicherung und der Ich- Findung entdecken junge Menschen einen Halt darin, dass Gott ihr Herz kennt. Dass es also jemanden gibt, der sie besser kennt als all die anderen um sie herum.

Wir Menschen unterscheiden uns darin, wie wir aussehen, welche Meinungen wir vertreten, ja, schon in der Art, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Daher immer wieder die Schwierigkeiten, die anderen zu verstehen oder auch sich selbst verständlich zu machen. Besonders für junge Menschen kann das Gefühl, nicht verstanden zu werden, zu einer sehr tiefgreifenden Erfahrung werden. Das Gebet des Salomo wendet sich an Gott, der alle Herzen versteht. Jeder Mensch kann also verstanden werden. Damit ist die Würde und Wichtigkeit eines jeden betont.

                        Vielleicht gibt es aber auch für uns mehr Wege des Verstehens, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Die Pfingstgeschichte berichtet von einer Verständigung über Grenzen der Sprachen und Kulturen hinweg: Menschen kommen miteinander ins Gespräch, ihre Herzen tun sich auf. Und das war kein einmaliges Ereignis. Es ist immer wieder geschehen, und es kann immer wieder geschehen. Vielleicht gerade jetzt. In den augenblicklichen Krisenzeiten, die uns in so vielen Bereichen zu einer äußeren Isolation zwingen, wurden mehr Telefonate geführt als sonst, vielleicht sogar auch mehr Briefe geschrieben und Meinungen ausgetauscht. Das Herz aller anderen Menschenkinder zu erkennen ist eine Fähigkeit, die allein Gott zu eigen ist. Verstehen und Erkennen kann es aber auch unter uns geben. Auch daran erinnert das Gebet Salomos.

Ihr
Bernd Wehner
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