Geistliches Wort - Thomaskirche Kempen

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Geistliches Wort

Glaube & Leben
Geistliches Wort
Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes,

haben Sie auch schon mal darüber nachgedacht, was eigentlich mit dem Reich Gottes gemeint sein könnte?
Ist es bereits da? Ist es zu sehen? Wo ist es denn? Überall auf der Welt? Oder nur in bestimmten Bereichen?
Der Apostel Paulus sah sich vor knapp 2.000 Jahren genötigt, in einem Brief an die Gemeinde in Rom etwas zum Reich Gottes zu schreiben. Wir lesen im vierzehnten Kapitel des Römerbriefs: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken. Aber es hat viel mit gemeinsamem Essen und Trinken zu tun. So jedenfalls verhielt sich Jesus. Seine Vorliebe für Tischgemeinschaften zeigt dies immer wieder. Als Levi, der Zolleintreiber (wie aktuell, wo werden heutzutage nicht überall Zölle erhoben), in die Spur des Reiches Gottes fand, wurde erst einmal in Gemeinschaft gegessen. Die Gemeinschaft mit seinen Jüngern spitzt sich zu beim letzten gemeinsamen Mahl vor seinem qualvollen Tod. Wenn es damals gefeiert wurde und wenn wir heute das Abendmahl feiern, erleben wir ein Vorgeschmack des Reiches Gottes.
Warum sagt Paulus, das Reich Gottes sei nicht Essen und Trinken? Paulus erklärt nicht einen asketischen Lebensstil – im Widerspruch zu Jesus. Paulus will verhindern, dass die Einheit der Gemeinde an Lebensstil- und Einstellungsfragen zerbricht. Es geht ihm um das Reich Gottes unter uns.
Paulus hat nicht die Fragen im Sinn, für die es klare biblische Weisungen gibt. Er hat eher die Bereiche im Blick, in denen wir in Verantwortung vor Gott und Menschen entscheiden müssen. Er nennt drei Kriterien, wie Christen sich verhalten sollen bzw. was in der Gemeinde Jesu und der Welt gelten soll: Gerechtigkeit, Friede und Freude. Sie sind Kennzeichen des Reiches Gottes. Gerechtigkeit meint ein Verhalten, das das miteinander stärkt, indem Menschen die Augen offen halten und hinsehen. Friede meint ein Verhalten, das das Miteinander im Kleinen und weltweit stärkt, indem wir hinsehen, wie es den Menschen geht. Freude aber bringt und bewahrt das gegenseitige Wahrnehmen, indem wir Menschen helfen und Dankbarkeit empfangen.

Paulus denkt nicht vom Einzelnen, sondern von der Gemeinschaft her.
„Einsam bist Du klein, aber gemeinsam werden wir Anwalt des Lebendigen sein!“
Ein Beispiel in diese Richtung setzte der rheinische Präses Rekowski, als er Mitte Juli auf Malta war, um sich ein Bild von der Lage der Flüchtlinge zu machen. „Als Christinnen und Christen, die in Jesus Christus den Bedürftigen, den Flüchtling, den Menschen erkennen, werden wir auch weiter konsequent für Menschlichkeit einstehen“, sagte er in einem Statement. „Flüchtlingen in Seenot zu helfen,fordert nicht nur das internationale Seerecht, sondern ist ein Gebot der Menschlichkeit und der Ebenbildlichkeit Gottes.“ (siehe ekir.de)

Wo ist das Reich Gottes? Überall dort, wo Menschen sich für die Menschlichkeit einsetzen und nicht ihre Augen und Herzen verschließen, sondern hinsehen und der Gerechtigkeit und dem Frieden zu immer weiterem Raum verhelfen.

Ich wünsche Ihnen offene Augen und Herzen,

Ihr Roland Kühne
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